Ich bin von Natur aus brünett. Zumindest heute. Als Kleinkind war ich teilweise sogar eher blond. Irgendwann wurden meine Haare dunkler und entwickelten sich zu einem Braun, das sich offenbar bis heute nicht so recht entscheiden kann, welche Farbe es eigentlich sein möchte.
Mein Vater bezeichnete meine natürliche Haarfarbe immer als „Straßenköterhaarfarbe“. Von allem was dabei.
Und tatsächlich steckt in meinen braunen Haaren eine ordentliche Portion Rot. Sobald die Sonne darauf scheint, kommen rötliche Reflexe zum Vorschein. Das funktioniert übrigens auch bei gefärbten Haaren. Ich kann mir noch so schöne Brauntöne auf den Kopf packen, im Sonnenlicht schimmert trotzdem wieder das Rot durch. Offenbar haben meine Haare beschlossen, dass sie offiziell zwar brünett sind, sich aber ein kleines Hintertürchen zum Rothaarigsein offenhalten.
Meine allererste Haarfärbung mit 13 Jahren hieß Rotbuche. Warum ich mich ausgerechnet an diesen Namen noch so genau erinnere? Weil ich die Farbe anschließend unbedingt nachkaufen wollte und sie einfach nicht mehr finden konnte. Diese erfolglose Suche muss sich irgendwie in mein Gedächtnis eingebrannt haben.
Seitdem bin ich praktisch durch sämtliche Rot-Welten gewandert. Von dezenten rötlichen Brauntönen bis hin zu Farben, bei denen wirklich niemand mehr übersehen konnte, dass ich rote Haare hatte.
Einmal konnte ich sogar Pumuckl Konkurrenz machen. Eigentlich hatte ich meine Haare blondieren wollen, aber das Ergebnis war eher orange als blond. Und was macht man, wenn eine Blondierung schiefgeht? Ich griff natürlich, wie so oft, zu Rot, um das Ganze zu überdecken. Nun ja. Das Ergebnis war Feuerwehrrot. Ein Feuerlöscher hätte daneben vermutlich ziemlich unscheinbar ausgesehen.
Aber wisst ihr was? Es war cool! 😀

Meine Begeisterung für rote Haare ist jedenfalls geblieben. Und damit bin ich offenbar nicht allein. Denn während natürlich Rothaarige sich früher und teilweise auch heute noch allerlei dumme Sprüche anhören müssen, gehören künstliche Rottöne immer wieder zu den angesagten Haarfarben.
Am 5. November wird der Love Your Red Hair Day gefeiert. Ein Aktionstag, der natürliche rote Haare in den Mittelpunkt stellt. Und eigentlich ist das ein wunderbarer Anlass, einmal genauer hinzusehen, warum eine Haarfarbe so viele unterschiedliche Reaktionen auslösen kann.
Rote Haare sind tatsächlich eine Seltenheit
Weltweit haben schätzungsweise nur ein bis zwei Prozent der Menschen von Natur aus rote Haare. Damit gehört Rot zu den seltensten natürlichen Haarfarben überhaupt. Besonders häufig kommen natürliche Rothaarige in Nord- und Nordwesteuropa vor, beispielsweise in Schottland und Irland.
Verantwortlich für die rote Haarfarbe ist unter anderem das MC1R-Gen. Bestimmte Varianten dieses Gens beeinflussen, welche Farbpigmente unser Körper produziert. Während bei braunen und schwarzen Haaren vor allem das dunkle Eumelanin dominiert, enthalten rote Haare besonders viel des rötlich-gelben Phäomelanins. Die Vererbung ist allerdings komplizierter, als lange angenommen wurde. Neben MC1R spielen weitere Gene eine Rolle. Deshalb können beispielsweise auch zwei dunkelhaarige Eltern ein rothaariges Kind bekommen. Und nicht jeder Mensch, der entsprechende Genvarianten trägt, hat automatisch leuchtend rote Haare. Manchmal zeigen sich lediglich rötliche Reflexe, die besonders im Sonnenlicht auffallen.
Auch die Haarfarbe selbst kann sich im Laufe des Lebens verändern. Viele Kinder haben zunächst hellere Haare, die mit zunehmendem Alter dunkler werden. Das hängt unter anderem mit Veränderungen der Melaninproduktion zusammen. Dass ich als Kleinkind teilweise blond war und heute braune Haare mit rötlichen Reflexen habe, ist also keineswegs ungewöhnlich. Ob bei mir bestimmte Varianten des MC1R-Gens eine Rolle spielen, weiß ich natürlich nicht. Dafür müsste man meine genetischen Voraussetzungen genauer untersuchen.

Von Hexen und anderen Vorurteilen
Dass rote Haare so selten sind, dürfte auch dazu beigetragen haben, dass sie über Jahrhunderte als etwas Besonderes wahrgenommen wurden. Und besonders bedeutete früher leider nicht immer etwas Positives.
Rothaarigen Menschen wurden ganz unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben. Sie galten je nach Zeit und kulturellem Umfeld als leidenschaftlich, temperamentvoll, verführerisch, unzuverlässig oder sogar gefährlich. Auch die Verbindung zwischen roten Haaren und Hexerei gehört zu diesen Vorstellungen. In historischen und späteren kulturellen Darstellungen tauchen rothaarige Frauen immer wieder als geheimnisvolle oder unheimliche Figuren auf.
Allerdings muss man hier zwischen Überlieferung und historischer Wirklichkeit unterscheiden. Die häufig wiederholte Behauptung, rothaarige Frauen seien während der Hexenverfolgungen allein wegen ihrer Haarfarbe verbrannt worden, lässt sich so nicht belegen. Bei Hexenprozessen spielten unter anderem religiöse Vorstellungen, persönliche Konflikte, Denunziationen und gesellschaftliche Ängste eine Rolle.
Dass ungewöhnliche körperliche Merkmale Misstrauen wecken konnten, passt durchaus in das damalige Weltbild. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass die Seltenheit roter Haare eine nachgewiesene Hauptursache für Hexenanklagen war. Trotzdem zeigt diese Verbindung etwas Interessantes: Menschen neigen offenbar schon sehr lange dazu, äußeren Merkmalen irgendwelche Charaktereigenschaften zuzuschreiben. Rote Haare? Dann muss die Frau besonders temperamentvoll sein. Vielleicht sogar ein bisschen gefährlich. Sommersprossen? Die gehören selbstverständlich dazu. Und wehe, eine Rothaarige verhält sich nicht so, wie es das Klischee vorsieht.
Dabei ist eine Haarfarbe zunächst einmal genau das: eine Haarfarbe.
Wenn aus einer Besonderheit plötzlich ein Beautytrend wird
Was ich besonders interessant finde, ist der Wandel unserer Schönheitsideale. Merkmale, für die Menschen früher verspottet wurden, werden irgendwann plötzlich als besonders attraktiv vermarktet. Bei roten Haaren lässt sich das wunderbar beobachten. Kupferrot, Auburn, Strawberry Blonde, Rubinrot oder Burgunderrot: Die Auswahl an künstlichen Rottönen ist riesig.
Während natürlich Rothaarige sich mitunter noch immer Sprüche über ihre Haarfarbe anhören müssen, bezahlen andere Menschen beim Friseur viel Geld dafür, möglichst genauso auszusehen. Natürlich ist daran nichts verkehrt. Ich wäre schließlich die Letzte, die etwas gegen gefärbte rote Haare sagen könnte. Dafür habe ich selbst viel zu viele verschiedene Rottöne ausprobiert.
Aber es ist schon bemerkenswert, wie unterschiedlich wir ein und dasselbe Merkmal bewerten können. An einem Menschen gilt es als Makel, an einem anderen als außergewöhnlich schön. Und manchmal entscheidet offenbar hauptsächlich die aktuelle Mode darüber, welche Bewertung gerade angesagt ist.

Welcher Rotton passt zu wem?
Wer seine Haare rot färben möchte, hat heute eine enorme Auswahl. Und Rot ist tatsächlich nicht gleich Rot.
Kupferrot gehört zu den klassischen warmen Rottönen. Es enthält deutliche orangefarbene Reflexe und wirkt besonders lebendig. Auburn verbindet Rot mit Braun und kann je nach Nuance sehr natürlich aussehen. Strawberry Blonde bewegt sich zwischen Blond und Rot und wirkt häufig etwas sanfter.
Wer es auffälliger mag, kann zu Kirschrot, Burgunderrot oder intensiven Rot-Violett-Tönen greifen. Und natürlich gibt es auch noch Feuerwehrrot. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass man damit definitiv auffällt.
Bei der Auswahl wird häufig empfohlen, auf den Hautunterton zu achten. Warme Kupfertöne können mit warmen Hauttönen harmonieren, während kühlere Rottöne interessante Kontraste erzeugen können.
Allerdings halte ich wenig von starren Beautyregeln. Nur weil irgendeine Farbberatung behauptet, dass ein bestimmter Rotton nicht zum eigenen Typ passt, muss man ihn nicht automatisch ausschließen. Entscheidend ist schließlich auch, wie man selbst damit aussieht und sich fühlt.
Rote Haare richtig pflegen
Wer seine Haare rot färbt, kennt möglicherweise das Problem: Gerade intensive Rottöne verlieren schnell an Leuchtkraft. Die Farbe „fällt heraus“, was daran liegt, dass Rot kleinere Farbpigmente als andere Farben hat. Sie verankern sich nicht so tief im Haar und waschen sich deswegen schneller aus.
Milde Shampoos für coloriertes Haar, weniger heißes Wasser und Hitzeschutz können helfen, die Farbe länger schön zu erhalten. Auch farbauffrischende Haarkuren oder Conditioner mit Rotpigmenten sind eine Möglichkeit, verblasste Nuancen zwischen zwei Färbungen aufzufrischen.
Bei natürlich roten Haaren sieht die Sache anders aus. Sie benötigen nicht automatisch spezielle Produkte, nur weil sie rot sind. Entscheidend sind vielmehr die individuelle Haarstruktur und der Zustand der Haare.
Welches Make-up passt zu roten Haaren?
Beim Make-up bieten rote Haare jede Menge Möglichkeiten. Besonders spannend finde ich die Kombination mit grünen Lidschatten. Olivgrün, Khaki oder Smaragdgrün können gerade zu warmen Kupfertönen einen wunderschönen Kontrast bilden.
Wer es dezenter mag, kann zu Braun, Bronze, Champagner oder Taupe greifen. Auch Rosé- und Beerentöne können interessant aussehen, abhängig davon, welchen Rotton die Haare haben.
Bei Lippenstiften hält sich hartnäckig die Behauptung, Rothaarige sollten keinen roten Lippenstift tragen. Warum eigentlich nicht? Ein kräftiges Rot auf den Lippen kann gerade zu roten Haaren ausgesprochen schön aussehen. Man muss lediglich eine Kombination finden, die einem selbst gefällt.
Auch die Augenbrauen müssen nicht zwangsläufig rot nachgezogen werden. Bei natürlich Rothaarigen sind sie häufig heller oder bräunlicher als das Kopfhaar. Ein neutraler Braunton kann deshalb manchmal wesentlich harmonischer wirken als ein auffälliges Kupferbraun.
Und dann wären da noch die Sommersprossen. Sie werden besonders häufig mit roten Haaren in Verbindung gebracht, kommen aber selbstverständlich auch bei Menschen mit anderen Haarfarben vor. Wer sie zeigen möchte, kann zu leichteren Foundations oder getönten Tagescremes greifen. Wer sie lieber abdeckt, darf das genauso.

Schönheit ist keine Frage der aktuellen Haarfarbenmode
Was mir an Haarfarben gefällt, ist die Möglichkeit, das eigene Aussehen zu verändern und mit verschiedenen Nuancen zu experimentieren. Man muss nicht jeden Trend mitmachen, aber man darf selbstverständlich Spaß daran haben.
Was ich dagegen merkwürdig finde, ist die Vorstellung, dass natürliche Merkmale erst dann schön sein sollen, wenn sie gerade gesellschaftlich angesagt sind. Heute werden rote Haare gefeiert, morgen vielleicht graue Haare oder Sommersprossen. Dabei hat sich an diesen Merkmalen selbst überhaupt nichts verändert. Lediglich unsere Bewertung ist eine andere geworden.
Vielleicht ist der Love Your Red Hair Day deshalb auch eine gute Gelegenheit, sich einmal bewusst zu machen, wie absurd manche Schönheitsideale eigentlich sind. Denn eine Haarfarbe muss nicht im Trend liegen, um schön zu sein. Und wer seine Haare rot färben möchte, sollte das tun, weil ihm die Farbe gefällt. Nicht für einen Trend, nicht für andere. Einfach für sich.
Bildhinweis: Bilder wurden KI generiert.




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